Flensburg 07
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Flensburg 07

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4. European Minority Marathon und Halbmarathon in Flensburg

Anreise und davor

„Ich packe meine Koffer und packe ein: Eine 10km PB über 38:37 vor 3 Wochen, einen 15km Trainingslauf in 4:10min/km, 3500 Lauf-km in den letzten 12 Monaten und meinen Glücksbringer Leonie“

Mit diesen Vorraussetzungen bin ich zusammen mit Leonie in die nördlichste Deutsche Stadt Flensburg gefahren, um dort einen flotten Halbmarathon zu laufen.

Mein Ziel war die 4:10min/km von diesem Trainings Tempodauerlauf über die 21,1km zu halten.

Am Tag vor der Abreise habe ich mir auf der Internetseite des Veranstalters noch das Höhenprofil angeschaut und staute nicht schlecht, als ich sah dass Flensburg so ganz und gar nicht flach sein sollte. So war gleich am Anfang auf 1km eine Steigung mit ca. 40 Höhenmeter zu bewältigen und bis km7 sollte es weiterhin bergauf gehen. Bis km17 dann auf und ab und die letzten 3-4km war Bergablaufen angesagt. Anhand des Streckenprofils habe ich mir eine entsprechende Marschtabelle, mit unterschiedlichen Kilometerzeiten, erstellt. Zielzeit wäre hier eine 1:27:17 gewesen, was ja noch etwas schneller war als ich mir vorgenommen hatte, doch auch diese Zeit erschien mir machbar.

Nach 5,5 Stunden fahrt kamen wir dann spät Abends in der Jugendherberge an und sind auch ziemlich schnell ins Bett gefallen, um uns am nächsten Tag Flensburg etwas näher anzuschauen und auch schon mal die Steigung am Anfang anzuschauen. Zum Glück war es dann so, dass die Steigung erst nach km1 kam, die Steigung selbst war dann aber schon erschreckend heftig und wir hofften, dass dies durch genügend bergab ausgeglichen wird.

Am Abend sind wir zu einem Italiener gegangen (gab auch Pastaparty für 7 €, doch diese wollten wir nicht nutzen) und danach gab es noch ein großes Eis :-). Todmüde sind wir dann ziemlich früh, noch vor 22 Uhr, ins Bett gegangen.

Sonntag Morgen – Fit in den Tag

Um 5.30 Uhr klingelte der Wecker und wir waren beide recht wach und fühlten uns gut. Nach 5 Scheiben Toast mit Honig und Marmelade ging es per Auto zum ca. 3km entfernten Startgelände, welches wir 1,5 Stunden vor dem Start erreichten. Wir schauten uns dann noch etwas um, wärmten uns auf und haben uns um 8.55 (nachdem ich dann zum 5. mal pinkeln war „na toll“) in die ca. 5. Reihe des Startfeldes (der Marathon- und Halbmarathonläufer) ein. Auch Leonie hatte vor eine Bestzeit zu laufen um ein sicheres Gefühl für den anstehenden Marathon in 3 Wochen zu haben. Zielzeit: sub1:37 (bei PB 1:37:12 vor 2 Monaten)

Start – km1-3 *&%//%%$& - äh, wann geht’s denn mal bergab???“

Als mentale Stütze habe ich bereits gute 5 Sekunden vor dem Startschuss auf die Uhr gedrückt „vielleicht hilfts ja“ sagte ich noch schnell zu Leonie und schon ging es pünktlich um 9 Uhr auf die Strecke. Vom Willy-Brandt-Platz ging es nun vorbei am Zentralen Omnibusbahnhof.

Ich kam sehr gut los und fühlte mich gleich im richtigen Tempo, hab aber gleich etwas Druck gemacht, um die Steigung etwas ruhiger laufen zu können.

Das km1 Schild passierte ich nach 4:11 Minuten (durch das frührer stoppen war es aber wohl eher 4:00 Minuten) und schon ging es leicht hoch und die Steigung wurde immer stärker.

Nach einer 90° Rechtskurve ging es dann richtig steil einen „Berg“ hoch und ich fühlte mich sehr langsam und noch dazu wurde ich von einigen Läufern überholt. Ich wusste aber dass es bald nach links geht und dann soll es flacher werden.

4:33 vergingen für diesen Kilometer und ich war echt fertig, die Steigung war nicht ohne (geplant lt. Höhenprofil hätte ich mit einer 4:20 gerechnet).

Nun ging es etwas flacher, aber weiterhin ansteigend, weiter durch die Flensburger Innenstadt. Es waren auch einige Zuschauer an der Strecke, weshalb ich an diesen Stellen meinen Mp3 Player immer ausgemacht habe um die Stimmung zu genießen.

Die Läufer, welche mich am Berg überholt haben, habe ich mittlerweile fast alle wieder eingeholt. Da nun der Wind von vorne kam, wollte ich mir einen Läufer suchen, in dessen Windschatten ich laufen kann, doch irgendwie war ich schneller als die Umherlaufenden Läufer und musste so alleine gegen den Wind anlaufen.

Mit 4:10 für den 3. Kilometer war ich nun wieder im Soll und endlich ging es mal ein kurzes Stückchen nach unten.

KM4-6 – Alles nach Plan!

Im weitern Verlauf passiert nicht viel. Es geht weiterhin mehr hoch als runter, die Straßen wurden immer kleiner und die Zuschauer immer weniger. Die Kilometerzeiten passten fast exakt zu meiner Marschtabelle und so war ich nach 5km mit 21:05 Minuten nur 2 Sekunden schneller als geplant. Da es sogar einmal etwas länger bergab ging (was im Profil nicht zu erkennen war), ging der vierte km in 4:02 weg :-).

Zu meiner Überraschung ging es kurz nach Kilometer 6 für einige Hundert Meter in einen Wald. Auch hier war bergab und bergauf angesagt. Ich dachte an die „Krone“, meine Trainingsstrecke für Tempoläufe bei der es auch nur rauf und runter geht und ich fühlte mich auch irgendwie an den Boston Marathon erinnert.

Km7-13 – „will keiner mit mir laufen?“

Das Schild für den km7 habe ich nicht gesehen (Leonie auch nicht, es stellte sich heraus, dass genau hier ein Haufen Zuschauer stand, die das Schild verdeckten), so war ich bei km8 über 8:11 Minuten für zwei Kilometer doch sehr erfreut. Mittlerweile lief ich schon ziemlich alleine. Hinter mir war erstmal nichts zu sehen und vor mir waren die nächsten Läufer gute 50 Meter weg und sie schienen wegzulaufen (es waren auch teilweise Staffelläufer dabei).

Die 10km Marke passierte ich nach 41:49 Minuten, weiterhin nur 2 Sekunden unter der Marschtabelle. Doch so langsam merkte ich dass es anstrengender wurde, denn das ständige hoch und runter und der Gegenwind dazu ging mächtig an die Substanz.

Kurz darauf ging es in die kleine Stadt Harrislee, welche an der deutsch-dänischen Grenze liegt. Für knapp zwei Kilometer ging es dann sogar durch Dänemark.

Bei Kilometer 12 ging es noch mal ordentlich hoch, was durch die Kilometerzeit von 4:18 Minuten zeigt. Ich wusste aber (lt. Höhenprofil), dass es nach km13 bergab gehen soll, bevor es zu den letzten Anstiegen bis km17 kommt.

KM14-17 „runter, rauf, rauf, rauf, runter, rauf, rauf, rauf, rauf – hallooooo, wann hat das ein Ende?“

Kurz vor Kilometerschild 13 kam eine enge Rechtskurve und danach ging es sehr steil bergab. Da ich wusste, dass ich die letzten 4km wohl eher nicht so laufen kann wie geplant (unter 4min/km) wollte ich meine noch gute Verfassung nutzen um den Abstieg voll auszunutzen.

Dies gelang mir mit einer 3:55 auch ziemlich gut, doch gleich danach ging es wieder richtig hoch.

Blöderweise hab ich durch die wechselnden Geschwindigkeiten nun Seitenstechen unten links im Bauch bekommen. 4:33 Minuten vergingen dadurch und aufgrund des Anstieges und ich war nun ca. 20 Sekunden hinter der Marschtabelle.

Gleich nach dem Berg holte ich mir wieder einen Schluck Wasser (es gab alle 2,5km was zu trinken!). Wie kann es anders kommen – ich hab mich verschluckt und es gesellte sich ein Seitenstechen oben rechts hinzu.

Nun war ich damit beschäftigt die Seitenstechen zu beruhigen, was bergauf nicht so leicht ist wenn man auch noch schnell laufen will.

Dies führte dazu, dass ich für die nächsten Kilometer 4:22 und 4:17 benötigte, allerdings hab ich meine Probleme beseitigen können.

KM17-20 – runter, runter, runter – dem Ziel entgegen“

Endlich ging es runter! Und lt. Profil bis zum Ziel ohne Anstieg. Ich konnte das Tempo zum Glück wieder etwas steigern. Da ich seit km15 niemanden mehr vor mir gesehen habe, war ich sehr froh, dass von hinten jemand aufgeschlossen hat, von dem ich mich etwas ziehen lassen habe. Dies führte zu einer 4:02 für km.

Es ging noch ein letztes mal hoch, aber nur ca. 20 Meter. Bis zum Ziel kam nun kein einziger Anstieg mehr. Nun fing es dafür leicht zu nieseln an und der Wind kam blöderweise den ganzen Schlussabstieg von vorne.

Bei km19 hatte ich 1:19:43 auf der Uhr stehen, also noch 8:17 Minuten für 2,1km. „Da war doch noch was...“ Ach ja, ich hatte ja bereits vor dem Startschuss auf die Uhr gedrückt! Das motivierte mich, denn das konnte nun doch noch knapp werden.

Das Tempo konnte ich aber nicht mehr erhöhen und da es flacher wurde, fühlte ich mich auch etwas langsamer. Doch mit 4:04 Minuten bestätigte sich dies nicht so. Immerhin nur 44 Sekunden über Plan, bei der Strecke im Nachhinein betrachtet wirklich gut eingeschätzt.

Die letzten 1,1km – War ja noch ganz schön knapp!

Vom Einlaufen her wusste ich jetzt wo ich war. Ich beschleunigte noch etwas. Es war jetzt leider wieder ganz flach. 4:07 Minuten für den letzten Kilometer. Es waren sehr viele Zuschauer im Zielbereich.

Ein Helfer leitete die HM-Läufer nach links. Noch ein paar Meter. Ich erblicke eine tiefe 1:28er Zeit auf der Uhr und schon war ich über der Zielmatte.

Happy habe ich meine Medaille in Empfang genommen. Ich freute mich über meine neue Bestzeit: 1:28:06 (offiziell), wusste aber gleich im Zielbereich, dass auf flacher Strecke eine 1:26er Zeit aktuell drin wäre. Angesichts des Streckenprofiles war ich aber sehr zufrieden, geärgert hat mich halt nur, dass ich die Strecke falsch eingeschätzt habe.

Nach dem Lauf – die Frauenelite kommt :-) + Siegerehrung

Ich lief dann entgegen der Laufrichtung locker aus und hoffte, dass Leonie bald kommt. Da wir aber noch nie beim selben Lauf PB gelaufen sind, habe ich sie, auch wegen dem Profil, eher bei 1:39 erwartet.

Naja, ich staunte dann nicht schlecht, als ich ziemlich bald ihre langen weißen Socken gesehen habe. Ich schrie ihr laut entgegen, „los, gib Gas“, doch sie hörte mich nicht. Ich wartete auf sie und lief die letzten Meter mit. 100m vor dem Ziel wich ich auf die Seite, lief neben dem Zaun neben ihr her. Ein Blick auf die Uhr „1:35:35“. Und was macht Leonie? Hebt beide Arme und will Stimmung machen, keine Spur von Endspurt. „Los, mach sofort schneller, was machst du denn hier für Spielchen???“ Ein „Du schaffst unter 1:36, jetzt mach schon, streng dich mal an“. Und da hab ich Leonie zum ersten mal sprinten sehen. Tja, und so geschah es, dass die ZWEITE FRAU in 1:35:51 mit einer überragender Zeit ins Ziel einlief! Zur „Belohnung“ gab es bei der späteren Siegerehrung richtig dolle Preise für sie, Blumen, 1 Flache Rum, eine Silberplatte und einen 125€ Scheck!

Da kann ich mit meinem 11. Gesamtplatz und 5. in meiner Altersklasse natürlich nicht mithalten ;-).

Zufrieden machten wir uns nach der Siegerehrung auf den Heimweg nach Berlin und freuen uns immer noch über unsere Zeiten!

Fazit:

Flensburg fand ich als Stadt schon ganz nett und der Lauf hat mir auch recht gut gefallen. Zwei Runden (also Marathon) würde ich nicht laufen wollen, doch sonst hätte ich nichts größeres auszusetzen. Organisation war gut, Strecke abwechslungsreich, Zuschauer waren vorhanden und diese haben auch Stimmung gemacht. Der Lauf ist durchaus zu empfehlen!

Zahlen zum Lauf:

Zeit (brutto): 01:28:11 Stunden

Zeit (netto): 01:28:06 Stunden => 4:10min/km – letztendlich das Hauptziel genau erreicht

Platz Gesamt: 11.

Platz AK: 5.