Bad Füssing 2007
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Bad Füssing Halbmarathon 2007

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Bad Füssing Halbmarathon am 04.02.2007

- Ein Rennen mit einer unerwarteten Wendung –

Endlich ist es soweit. Seit dem Paarlauf vor zwei Monaten bin ich keinen Wettkampf mehr gelaufen. Genug Zeit, um eine gute Grundlage im Winter zu schaffen. Mit durchschnittlich 70km in der Woche konnte ich dies auch gut umsetzen. In den letzten drei Wochen gab es dann, auch bedingt durch den sehr milden Winter, die ersten Intervalleinheinten (10x400m; 15x200m sowie 8x400m), welche sehr gut verliefen.

Für Bad Füssing habe ich mir vorgenommen eine „lockere“ sub1:35 zu laufen, eine sub1:30 traute ich mir zu maximal 30% zu, dafür war das Tempotraining einfach noch zu kurz gekommen (was ja in einer Grundlagenausdauerphase durchaus Sinn macht).

Sonntag – der erste Wettkampf 2007

Vor dem Lauf

Da knapp 1,5 Std. Fahrt vor uns standen, fuhren mein Vater und ich um kurz nach 7 Uhr morgens los nach Bad Füssing. Um 8.30 kamen wir dort an, so hatte ich noch 1,5 Stunden Zeit um mich anzumelden und für den Lauf vorzubereiten. Da mein Vater gerade eine schwere Erkältung hinter sich hatte, konnte er die 10km leider nicht mitlaufen.

Wie immer lief es in Bad Füssing relativ ruhig ab, die Anmeldung war schnell erledigt (den Preis von 35 Euro für die Nachmeldung (Marathon 40 Euro) fand ich allerdings ziemlich happig – und dann noch 5 Euro für den Chip, den ich Dussel in Berlin vergessen hatte).

Um 9.30 hab ich mich aufgewärmt, dort rannte auf einmal ein Reh zwischen den Häusern hindurch und vor mir über die Straße, dicht gefolgt von ca. 6 weiteren Rehen, die für große Aufmerksamkeit sorgten!

10 Minuten vor dem Start reihte ich mich dann im vorderen Viertel des Startblocks ein. Eigentlich wollte ich zumindest mal versuchen mit dem sub3 Pacer mitzulaufen, doch da es so einen nicht gab, habe ich erstmal keinen weiteren Gedanken an einer sub1:30 vergeudet.

Start – km1 bis 5

Pünktlich um 10 Uhr erfolgte der Start. Ich kam ziemlich schnell auf die Zeitmatte und konnte gleich gut und frei laufen. Die eine fühlte sich schön locker an, allerdings wollte ich nicht mehr schneller laufen als ich hier gerade tat.

Der erste Kilometer war dann nach 4:24 Minuten vorbei, ohne Gedrängel wird es wohl also ein 4:20er Tempo, was eine Endzeit von 1:31-1:32 bedeuten würde, wobei mir die 1:32 „lieber“ gewesen wäre, diese Zeit fehlt mir nämlich noch.

Das Wetter war wunderbar. Es war relativ stark bewölkt, ab und an schaute aber die Sonne hervor. Temperaturen um 6°C machten daraus das perfekte Läuferwetter, was mich dazu brachte, im Singlet und in kurzer Hose zu laufen.

Die Landschaft war sehr schön, was man letztes Jahr durch den Nebel gar nicht so erkannt hatte. Läuferisch passierte nichts besonderes. Ich lief in etwa 4:20min/km, was mir zwar als sehr locker erschien, doch ich wollte das Tempo nicht erhöhen, da mein linker Oberschenkelmuskel ab km2 schon etwas hart war.

Die Kilometerschilder von km3-6 standen nicht sehr gut, da ich hier Zeiten von 4:07 bis 4:30 gelaufen bin. Nach dem Lauf erfuhr ich, dass es neue Kreisverkehre gibt, und die Schilder etwas verschoben werden müssen (was aber nicht gemacht wurde...).

Die Zwischenzeit bei km5: 21:57 Minuten (4:23min/km)

Kilometer 6-10: zu zweit geht’s einfacher

In etwa bei km6 ist ein Läufer zu mir aufgeschlossen, der mein Tempo lief. Wir unterhielten uns etwas und haben uns gegenseitig etwas gezogen (ok, eigentlich hat er sich nur ziehen lassen )

Die Kilometerzeiten waren weiterhin zwischen 4:19 und 4:23, es fühlte sich alles sehr locker an, auch mein Oberschenkel wurde wieder etwas besser. Als die Sonne hervorkam dachte ich mir „oh man, das ist ja eigentlich viel zu schade um schnell zu laufen“. Kurz vor Kilometer 10 kam eine Dreiergruppe von hinten aufgelaufen. Sie liefen auch in etwa unser Tempo, also sind wir dran geblieben. Nach 10km habe ich beim zweiten Verpflegungspunkt einen kleinen Schluck Tee getrunken, da mein Mund sehr trocken war.

Zwischenzeit nach 10km: 43:32 (4:21min/km) damit eine gute Minute über der Sollzeit für eine sub1:30. Erwartete Endzeit war immer noch eine hohe 1:31er Zeit.

KM 11-15: eine unerwartete Wendung – hab den Schalter der Lachgaseinspritzung gefunden

Nach der „Getränkeaufnahme“ lief es gut weiter. Es bildete sich nun eine 6 Läuferstarke Gruppe, die sehr gleichmäßig lief. Nach 4:19 für km11 merkte ich, dass das Tempo leicht steigt, was ich aber gut mitgehen konnte. So war der 12. Kilometer mit 4:15 der bisher schnellste Kilometer.

Ich war nun der erste der Gruppe und dachte an einen Satz eines mir bekannten Läufers „wenn du mal vorne läufst, dann läufst du ganz anders“. Ich hatte auf einmal so ein mulmiges Gefühl im ganzen Körper. Ein derartiges RUNNERS HIGH hatte ich in meinen knapp 70 Wettkämpfen noch nie erlebt.

Als ob ich den Turbo eingechaltet habe, lief ich plötzlich, fast ganz von allein, von der Gruppe weg. Ich merkte, dass ich ziemlich schnell war, aber ich wollte irgendwie nicht langsamer machen. Satte 4:04 Minuten zeigte die Uhr für den 13. Kilometer! Die Schritte der anderen waren nicht mehr zu hören. Ich lief weiter, dachte irgendwie an gar nichts und alles. 4:08 für den nächsten Kilometer. Ich dachte mir „vielleicht noch 1-2 schnelle Kilometer, dann aber wieder langsamer, und ich bin auf einer guten 1:31 unterwegs“. Erneut eine 4:04 für Kilometer 15.

Ich schaute auf die und erblickte die Zwischenzeit von 1:04:23 (4:18min/km)

Kilometer 16 bis 20: DU BIST DER NÄCHSTE!!!

Ich hatte noch in Erinnerung, dass man für eine sub1:30 knapp eine Stunde nach 14km haben darf. Sollte ich also noch zwei derart schnelle Kilometer schaffen, wäre ich wieder in der Sollzeit für 1:30. Dies bewog mich dazu, nicht abreissen zu lassen.

Ich genoss den Lauf weiterhin, nur irgendwie anders. Es lief weiterhin locker, doch es lief ganz anders.

Jeden Läufer vor mir saugte ich förmlich auf, war kurz dran und schon wieder vorbei. Immer wieder sagte ich in mir drin „und du da vorne bist der nächste!“. Ich holte viele Läufer wieder ein, die mir in den ersten 10km davonliefen, das war so was von geil.

4:04 für km16, jetzt noch ein schneller Kilometer, dann konnte ich mit 4:15 ins Ziel zu Ende laufen.

Ich merkte dass ich noch mal schneller wurde, ich konnte gar nichts dagegen tun! Mein Magen fing gerade so nicht an zu rebellieren. Hammergeile 3:59 standen für den 17. Kilometer zu buche. Ich hatte auf einmal einen Puffer für eine sub1:30!!!

Das machte mein Runners High zu einem Runners Highest und ich versuchte das Tempo zu halten, was mir wohl gelang. Die 4:20 für km18 waren sicher nicht richtig, also war der vorher wohl etwas langsamer und der dafür schneller. Aber ich hab halt dann für den 19. Kilometer nur 3:59 Minuten gebraucht, das war dann auch wieder okay . Jetzt wusste ich es, dass ich es habe. Mit 4:30min/km hätte ich jetzt ins Ziel laufen können. Doch es wäre jetzt sogar noch eine 1:28er Zeit möglich gewesen. Also dranbleiben. Ich näherte mich langsam der IKS (was mich wunderte, denn die hätte schon längst überschritten sein müssen). 4:06 Minuten für den 20. Kilometer und die

Zwischenzeit nach 20km war 1:24:52 Stunden (4:15min/km).

Kurz danach kam dass 9km Schild der 10km Läufer, ich hatte genau 1:25 Stunden auf der Uhr stehen. „Das muss doch drin sein“ dachte ich mir und erhöhte das Tempo. Jede Minute sah ich auf die Uhr, zählte innerlich schon runter. Die letzten Meter waren mir bekannt, die bin ich beim Aufwärmen gelaufen. Da ist das 42km Schild, also noch 200 Meter. Einfach draufhalten, kein Blick auf die Uhr, hab nur meinen Papa kurz erkannt der mich fotographierte. Ich lief ins Ziel, stoppte ab und rannte erstmal an den Medaillen vorbei (die schon 3 Meter nach der Ziellinie standen...).

Ein Blick auf die Uhr: 1:29:09!!!!!

„YAAAAAABAAAAAADAAABAAADDOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO“

Ich war so was von überglücklich. Endlich hat es geklappt beim 3. Anlauf. Und wie es oft so ist – eigentlich hatte ich es gar nicht vor!

Ich holte mir dann meine Medaille und erzählte meinem Vater wie es lief, dann Leonie, meiner Mama und ich hab noch ein paar Freunde angerufen. Ich war total High, konnte immer noch nicht glauben was ich für eine Zeit gelaufen bin – vor allem nach so einem Rennverlauf am Anfang!

Die 1:28 waren nicht mehr drin, da das 9km Schild wohl nicht ganz stimmte, denn dann wäre ich ja die 100m zwischen km20 und diesem Schild in 8 Sekunden gelaufen hihi.

Nachdem ich mich dann irgendwann beruhigt hatte, hielt ich noch nach Magic vom ForumTeam ausschau, der den Marathon lief, doch leider hab ich ihn nicht mehr gesehen.

Wir fuhren dann bald – ausnahmsweise ohne Therme – nach Hause. Ich strahle jetzt, während des Schreibens, noch über alle Ohren!!!

Jetzt hab ich erstmal alle meine Ziele geschafft. Sicher möchte ich meine Bestzeiten über bis Halbmarathon noch mal verbessern, doch ich nehme mir keine konkreten Zeitziele vor!